Das Telefon klingelt, eine aufgeregte Stimme sagt: „Rate mal, wer dran ist!“ Kurz darauf geht es um einen Unfall, eine Kaution oder ein dringendes Geschäft – und um viel Geld. Der sogenannte Enkeltrick gehört zu den häufigsten Betrugsmaschen gegenüber älteren Menschen. Die gute Nachricht: Wer das Muster kennt, fällt kaum noch darauf herein.
Das Wichtigste in Kürze
- Echte Verwandte, Polizei oder Behörden fordern nie am Telefon Bargeld, Gold oder Überweisungen.
- Legen Sie auf und rufen Sie die Person unter der Ihnen bekannten Nummer zurück.
- Die Polizei erreichen Sie immer unter 110 ohne Vorwahl.
- Geben Sie niemals Geld oder Wertsachen an Fremde an der Haustür.
Wie der Enkeltrick abläuft
Die Täter rufen meist zufällig ausgewählte Nummern an – oft solche mit altmodisch klingenden Vornamen im Telefonbuch. Sie nennen keinen Namen, sondern lassen sich den Namen vom Opfer „verraten“: „Ich bin’s doch!“ – „Thomas, bist du das?“ – „Ja, genau!“ Ab diesem Moment spielen sie die Rolle des Enkels, Neffen oder Bekannten.
Dann folgt eine Notlage: ein Autounfall, eine Wohnungskaution, eine Rechnung, die sofort bezahlt werden muss. Weil der „Enkel“ angeblich nicht selbst kommen kann, schickt er einen Boten oder eine „Freundin“, die das Geld abholt. Häufig wird außerdem großer Zeitdruck gemacht und darum gebeten, mit niemandem darüber zu sprechen.
Die neuen Varianten: Schockanruf und falsche Polizisten
Neben dem klassischen Enkeltrick gibt es inzwischen mehrere Abwandlungen, die nach demselben Prinzip funktionieren:
- Schockanruf: Ein angeblicher Polizist, Arzt oder Staatsanwalt meldet, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht. Nur gegen eine „Kaution“ müsse er nicht ins Gefängnis. Im Hintergrund weint oft eine Stimme.
- Falsche Polizeibeamte: Die Anrufer behaupten, in der Nachbarschaft seien Einbrecher unterwegs, und bieten an, Geld und Schmuck „sicher zu verwahren“. Auf dem Display erscheint manchmal sogar die 110 – diese Anzeige lässt sich technisch fälschen.
- Per Messenger: Auf WhatsApp oder per SMS schreibt jemand „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“ und bittet kurz darauf um eine Überweisung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum WhatsApp-Betrug.
Warnzeichen: Daran erkennen Sie Betrug
- Der Anrufer nennt seinen Namen nicht von selbst, sondern lässt Sie raten.
- Es geht schnell um Geld, Gold, Schmuck oder eine Überweisung.
- Es wird Zeitdruck aufgebaut: „Heute noch“, „sofort“, „sonst …“.
- Sie sollen niemandem davon erzählen – auch nicht anderen Familienmitgliedern.
- Das Geld soll von einer fremden Person abgeholt werden.
- Ein angeblicher Beamter fragt nach Wertsachen im Haus.
Achtung
Die echte Polizei ruft niemals unter der Nummer 110 an und holt niemals Geld oder Wertsachen bei Ihnen ab. Wenn die 110 im Display steht, ist das ein sicheres Zeichen für Betrug.
Was Sie bei einem verdächtigen Anruf tun sollten
- Auflegen. Sie müssen nicht höflich sein. Ein kurzes „Ich rufe zurück“ genügt – oder einfach auflegen.
- Selbst zurückrufen. Wählen Sie die Nummer Ihres Angehörigen, die Sie schon lange kennen – nicht die Nummer, die der Anrufer Ihnen gibt.
- Mit jemandem sprechen. Rufen Sie ein anderes Familienmitglied, einen Nachbarn oder eine Vertrauensperson an.
- Polizei verständigen. Wählen Sie die 110 – ohne Vorwahl. Die Polizei nimmt solche Hinweise ernst, auch wenn Sie nichts verloren haben.
- Niemals Geld übergeben oder Wertsachen vor die Tür legen.
Praxistipp
Vereinbaren Sie in der Familie ein Codewort. Wer wirklich in Not ist und anruft, kennt das Wort. Betrüger nicht. Schreiben Sie es nicht auf einen Zettel neben dem Telefon, sondern merken Sie es sich.
Vorbeugen: So machen Sie es Betrügern schwer
- Lassen Sie Ihren Eintrag im Telefonbuch löschen oder den Vornamen abkürzen. Das geht über Ihren Telefonanbieter.
- Sprechen Sie mit Angehörigen offen über diese Maschen – Scham ist genau das, worauf Täter hoffen.
- Heben Sie keine großen Bargeldbeträge auf Zuruf ab. Bankmitarbeiter sind geschult und dürfen nachfragen, wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt.
- Bewahren Sie größere Mengen Bargeld und Schmuck nicht zu Hause auf.
Schon Geld übergeben? Jetzt schnell handeln
Wenn Sie bereits Geld gegeben oder überwiesen haben, schämen Sie sich nicht – die Täter sind Profis. Rufen Sie sofort die Polizei unter 110 an und erstatten Sie Anzeige. Bei einer Überweisung kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank: Manchmal lässt sich eine Zahlung noch stoppen. Notieren Sie sich alles, woran Sie sich erinnern: Uhrzeit, Telefonnummer, Aussehen des Abholers.
Häufige Fragen
Woher haben die Betrüger meine Nummer?
Meist aus öffentlichen Telefonbüchern. Altmodische Vornamen wie Gertrud oder Heinz lassen auf ein höheres Alter schließen. Ein gekürzter oder gelöschter Eintrag hilft.
Kann ich mich strafbar machen, wenn ich auflege?
Nein. Echte Behörden schicken Ihnen einen Brief oder bitten Sie auf die Dienststelle. Auflegen ist immer erlaubt.
Gibt es eine Beratungsstelle?
Jede Polizeidienststelle bietet kostenlose Beratung. Viele Städte haben außerdem Seniorensicherheitsberater. Informationen finden Sie auch beim Programm Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de).
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Titelbild: RDNE Stock project / Pexels



