„Ihr Konto wurde gesperrt“, „Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden“, „Bitte bestätigen Sie Ihre Daten“: Solche E-Mails landen täglich millionenfach in deutschen Postfächern. Dahinter stecken oft Betrüger, die an Passwörter, PINs oder Kreditkartendaten kommen wollen. Man nennt das Phishing – abgeleitet vom englischen Wort für Angeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Banken, Sparkassen und Behörden fragen nie per E-Mail nach PIN, TAN oder Passwort.
- Klicken Sie nicht auf Links in verdächtigen Mails – öffnen Sie die Website lieber selbst.
- Ein Blick auf die echte Absenderadresse verrät viel.
- Im Zweifel: Mail löschen oder bei der Firma direkt nachfragen.
So erkennen Sie eine Phishing-Mail
- Unpersönliche Anrede. „Sehr geehrter Kunde“ statt Ihres Namens ist ein Warnsignal – auch wenn manche Betrüger inzwischen Namen kennen.
- Druck und Drohung. „Innerhalb von 24 Stunden“, „sonst wird Ihr Konto gesperrt“: Echte Firmen setzen Ihnen nicht auf diese Weise die Pistole auf die Brust.
- Merkwürdige Absenderadresse. Der angezeigte Name lautet „Sparkasse“, die Adresse dahinter aber zum Beispiel service@sparkasse-sicherheit-info.com. Tippen oder klicken Sie auf den Absendernamen, um die vollständige Adresse zu sehen.
- Aufforderung, Daten einzugeben. Sie sollen sich über einen Link „anmelden“ oder Daten „bestätigen“.
- Links, die woanders hinführen. Am Computer sehen Sie das Ziel eines Links, wenn Sie mit der Maus darüber fahren, ohne zu klicken. Auf dem Handy halten Sie den Finger länger auf den Link.
- Rechtschreibfehler und seltsame Formulierungen. Viele Phishing-Mails sind maschinell übersetzt. Aber Vorsicht: Immer mehr sind fehlerfrei.
- Unerwartete Anhänge. Rechnungen oder Mahnungen als ZIP-Datei oder Word-Dokument können Schadprogramme enthalten.
- Sie sind gar kein Kunde. Eine Mail der „Volksbank“, obwohl Sie dort kein Konto haben, ist eindeutig gefälscht.
Achtung
Geben Sie niemals eine TAN ein, um etwas zu „bestätigen“, „entsperren“ oder „zurückzubuchen“. Eine TAN gibt immer eine Zahlung oder Änderung frei – und damit Ihr Geld.
Die häufigsten Phishing-Absender
Betrüger geben sich am liebsten als Unternehmen aus, bei denen viele Menschen Kunde sind:
- Banken und Sparkassen (angebliche Sicherheitsupdates, neue Richtlinien)
- Paketdienste wie DHL, Hermes oder DPD (Zustellgebühr, fehlende Adresse)
- Amazon, PayPal und eBay (Konto eingeschränkt, Zahlung fehlgeschlagen)
- Netflix, Telekom, Vodafone (Abo läuft ab, Rechnung offen)
- Behörden und Krankenkassen (angebliche Rückerstattung)
Was tun, wenn eine verdächtige Mail kommt?
- Nicht auf Links oder Knöpfe klicken und keine Anhänge öffnen.
- Wenn Sie unsicher sind: Öffnen Sie die Website oder App der Firma selbst – über ein Lesezeichen oder indem Sie die Adresse eintippen – und schauen Sie dort nach Nachrichten.
- Oder rufen Sie die Firma unter der Nummer an, die auf Ihrer Karte oder Ihrem Vertrag steht.
- Die Mail anschließend löschen. Viele Mailprogramme haben außerdem einen Knopf „Spam“ oder „Junk“.
Praxistipp
Die Verbraucherzentrale NRW sammelt aktuelle Phishing-Mails im sogenannten Phishing-Radar. Dort können Sie nachsehen, ob eine Mail, die Sie bekommen haben, bereits als Betrug bekannt ist.
Schon geklickt oder Daten eingegeben?
Keine Panik, aber zügig handeln:
- Bankdaten eingegeben: Rufen Sie sofort Ihre Bank an oder den zentralen Sperr-Notruf 116 116, um Karte und Online-Banking sperren zu lassen.
- Passwort eingegeben: Ändern Sie es sofort – und überall dort, wo Sie dasselbe Passwort verwenden. Wie Sie ein gutes Passwort bilden, lesen Sie in unserer Passwort-Anleitung.
- Anhang geöffnet: Trennen Sie den Computer vom Internet und lassen Sie ihn von einer kundigen Person oder einem Fachgeschäft prüfen.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei – das geht in den meisten Bundesländern auch online über die Onlinewache.
Häufige Fragen
Kann schon das Öffnen einer Mail gefährlich sein?
Das bloße Lesen ist bei aktuellen Mailprogrammen in der Regel ungefährlich. Gefährlich wird es, wenn Sie auf Links klicken, Anhänge öffnen oder Daten eingeben.
Gibt es Phishing auch per SMS?
Ja, das nennt man Smishing. Typisch sind SMS über angebliche Paketzustellungen mit einem Link. Auch hier gilt: nicht klicken.
Warum lande ausgerechnet ich auf der Liste?
E-Mail-Adressen werden massenhaft verschickt oder bei Datenlecks gestohlen. Es ist nichts Persönliches – und kein Zeichen, dass Sie etwas falsch gemacht haben.
Titelbild: RDNE Stock project / Pexels



